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Nachhaltigkeit, Veranstaltungen

Forum Energie 2026

Mehr als 100 Teilnehmende mit dem Ziel, Energieeffizienz und Klimaschutz in den Gebäuden und Liegenschaften von Hochschulen und Forschungseinrichtungen voranzubringen

In Kooperation mit der Technischen Universität Clausthal fand vom 21. bis 23. September 2026 in Clausthal-Zellerfeld das mittlerweile 14. Forum Energie als gemeinsame Veranstaltung von HIS-Hochschulentwicklung und der Technischen Universität Clausthal statt. Die Veranstaltung stieß auf große Zustimmung. Es ist uns eine große Freude, dass wir eine Vielzahl positiver Rückmeldungen erhalten haben. Besonders hervorzuheben sind die interessanten und vielschichtigen Fachbeiträge sowie die zahlreichen Gelegenheiten, an denen ein Austausch mit anderen Teilnehmern möglich war und neue Kontakte geknüpft werden konnten

Wärmeversorgung, Versorgungsnetze und Netzstabilität

Nach der Begrüßung durch Dr. Michael Müller-Bahns, Hauptberuflicher Vizepräsident der TU Clausthal, ging es zum Auftakt um Innovationen für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung: Wärmepumpen, thermische Netze und die Nutzung von Abwärme, beispielsweise aus Rechenzentren. Dr. Anna Cadenbach vom Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik in Kassel berichtet über interessante Forschungsvorhaben und Praxisbeispiele. Der Gebäudesektor verursacht einen erheblichen Teil der Emissionen, und noch immer stammt der Großteil der Energie aus fossilen Quellen. Die Wärmenetze müssen daher schneller ausgebaut und digitaler werden. Professorin Dr. Ines Hauer konnte als Leiterin des Leitung Instituts für Elektrische Energietechnik und Energiesysteme der TU Clausthal zeigen, warum Frequenzstabilität ein immer wichtigeres Thema ist und wie Netzengpässe und Batteriespeicher die Versorgung vor neue Herausforderungen stellen, an deren Lösung die TU Clausthal maßgeblich beteiligt ist. Die Methodik und Vorgehensweise bei der Wärmetransformationsplanung der TU Darmstadt stellte Stefan Alraum, dort im Referat für Technischen Betrieb und Energiemanagement tätig. Entstanden ist dabei ein Konzept, das die Komponenten Fernwärme, die aktuell bestehende erdgasbasierte Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Kälteerzeugung mit den zugehörigen Netzen sowie die Anlagen zur Energieerzeugung auf Basis regenerativer Energien modern und zusammenfasst und zukunftsfähig entwickelt. Im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Peter Vennemann, Prodekan an der FH Münster und Leiter der Forschungsgruppe Energiesystemmodellierung stand das Thema Energiesystemoptimierung für Quartiere und Liegenschaften – das bereits auf dem letzten Forum vorgestellt wurde und mittlerweile weiterentwickelt worden ist. Das kostenlos nutzbare Modellierungstool wird aktuell durch eine Web-Anwendung mit erweiterten Bedienmöglichkeiten ergänzt.

Gebäude, Labore und Managementsysteme

Viele Vorträge kamen aus der Praxis. So ging es beispielsweise um die Frage, wie sich in Laboren Energie sparen lässt, ohne Arbeitsschutz- und Gefahrstoffrecht zu verletzen. Jörg Romanski von der TU Berlin stellte hierzu u. a. ein Umsetzungstool in Form einer Excel-Matrix vor. Die Einführung eines Energiemanagementsystems (auf Basis der DIN EN ISO 50001) beschäftigt zurzeit viele Hochschulen. Erik Greß von der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen erläuterte den aktuell noch laufenden Einführungsprozess. Das Thema stieß auch in dem ergänzend angebotenen Workshop auf sehr großes Interesse. Eindrücklich waren auch die Aussagen von Prof. Dr. Uwe Franzke, Geschäftsführer des Instituts für Luft- und Kältetechnik (ILK) Dresden gGmbH, mit dem Blick auf den Gebäudebestand. Was hier in Deutschland fehlt sind verlässliche Statistiken. Die vorhandenen Informationen gehen davon aus, dass mehr als 60 % aller Nichtwohngebäude vor 1978 gebaut worden sind. Bei der aktuellen Sanierungsrate von etwas über einem Prozent läge die Wartezeit bis zu einer Sanierung dann bei mehr als 140 Jahren. Kritisch werden auch der Gebäudetyp E (weniger Qualität?) und die Digitalisierung (sinnvoll, aber nicht als Selbstzweck) analysiert. Aktuell passend erscheint der seitens der WHO formulierte Ansatz der „Healthy Buildings“.  

Technik, Daten und Monitoring

Fachlich ins Detail ging es in dem Beitrag von Karsten Wölk von der TU Braunschweig zu zukunftsfähigen Kälte- und Wärmezentralen mit neuen Speicher- und Schichtungskonzepten zur hydraulischen Optimierung und Verringerung von Verlusten. Eine Reihe von Projekten ist bereits in der Umsetzung oder in Planung. Bisher getrennte Prozesse der Wärme- und Kälteerzeugung können dabei zusammengeführt werden. Anergie-Arealnetze ermöglichen die Einbindung von Abwärmequellen mit unterschiedlichen Temperaturniveaus. Datenerfassung und Monitoring sind weitere wichtige Themen zur Aus- und Bewertung von Energieverbräuchen sowie zur Qualitätssicherung. Mit der Fernauslesung von Energiezählern befasst sich Harald Hentze vom Technischen Gebäudemanagement der Universität Stuttgart. M-Bus, Modbus und LoRaWAN sind hierzu einige Schlagworte. Dr. Stefan Plesser, Leiter des Steinbeis-Innovationszentrums (SIZ) energieplus an der TU Braunschweig, ist Experte für Technisches Monitoring (TMon) und Inbetriebnahmemonitoring als Qualitätsmanagement-Services für Gebäude. Basierend auf der AMEV-Empfehlung zum Technischen Monitoring, an deren Bearbeitung Dr. Plesser maßgeblich beteiligt war, sowie aus den Ergebnissen zahlreicher Forschungsprojekte zum Thema, konnte das TMon bei öffentlichen Bauvorhaben, aber auch in der Privatwirtschaft, erfolgreich etabliert und konkrete Verbesserungen erreicht werden. Im ergänzend angebotenen Workshop wurde er durch Franziska Bockelmann vom SIZ energieplus unterstützt.  

KI hilft, aber auch KI muss nachhaltig sein

Marco Della Penna, Business Consultant & Serial Entrepreneur, aus Denkendorf berichtete über ein Forschungsprojekt zur KI-gestützten Raumregelung, das an der Universität Stuttgart durchgeführt wurde. Selbst in einem bereits gut optimierten Gebäude wurden dadurch weitere Einsparungen von bis zu 40 % bei den Energiekosten ohne aufwendige Investitionen, erreicht. WiFi-Technologien plus Energy Harvesting ermöglichen zudem einen aufwandsarmen Betrieb. Den Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Dr. Sebastian Otte vom Institut für Robotik und kognitive Systeme der Universität zu Lübeck, bei dem es um das Thema Nachhaltigkeit bei KI-Systemen ging. Er zeigte, welche Unmengen an Energie das Training großer Modelle verbraucht und wie neuromorphe Hardware und neue Rechenansätze den Bedarf drastisch senken könnten. Daraus ein Fazit zu ziehen, dass – zugegeben etwas verkürzt – vorheriges Nachdenken zu besseren und effizienteren Ergebnissen führt, passt natürlich auch gut zum Geist unserer gesamten Veranstaltung.

Austausch und Vernetzung

Neben dem Fachprogramm blieb viel Raum für Diskussionen. Die Fragen aus dem Publikum, etwa zu Tiefengeothermie, Vorlauftemperaturen oder der Planung von Lüftungsanlagen, zeigten, wie praxisnah die Themen waren. In den Pausen und am Rande der Vorträge entstanden viele Gespräche und neue Kontakte. So gab es Austausch im Rahmen des bereits bekannten Energy-Cafe-Formats sowie insgesamt sechs Workshops zu den Themen Energieeinsparung im Labor, Energiemanagementsysteme nach DIN EN ISO 50001, Nutzersensibilisierung, Hochschule trifft Energiewende, Technisches Monitoring in Forschung und Praxis sowie Wärme- und Kältezentralen der nächsten Generation.

Wir danken allen Referierenden und Teilnehmenden für ihr tolles Engagement und freuen uns auf ein Wiedersehen bei der nächsten Veranstaltung die – so der Plan – vom 27. bis 29. September 2027 erneut an der TU Clausthal stattfindet.

Für mich war es das letzte Forum Energie1 und ich habe die tolle Atmosphäre und die interessanten Menschen und Begegnungen noch einmal genießen können. Ich verabschiede mich von allen Teilnehmenden und Referierenden auch aus den vergangenen Veranstaltungen und bedanke mich für das große Interesse und die sehr gute Beteiligung und die vielen Anregungen. Meine Kollegin Paula Höltkemeyer war zum ersten Mal dabei. Sie und das bewährte Team, bestehend aus Cord Wöhning, Dr. Ingrid Ostermann und natürlich Maria Schütte und ihrem Team, freut sich auf das nächste Jahr mit Ihnen.

Die Dokumentation zur Veranstaltung finden Sie hier:
https://medien.his-he.de/veranstaltungen/14-forum-energie-2026/

1 Wer hierzu mehr wissen möchte, dem sei unser Mitteilungsblatt 2/2026 empfohlen: https://his-he.de/publikation/his-hemitteilungsblatt-022026-arbeits-gesundheits-und-umweltschutz/


Bildquelle: HIS-HE