Am 7. und 8. Oktober 2027 fand an der Charité – Universitätsmedizin Berlin das 29. Treffen des Netzwerks Netzwerk Nachhaltigkeit und Umwelt an Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region Ost statt. Das Netzwerk bietet seit vielen Jahren eine Plattform für den fachlichen und kollegialen Austausch von Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeauftragten sowie weiteren Beschäftigten mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsbezug an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die regelmäßigen Treffen bei wechselnden Einrichtungen verbinden fachliche Impulse mit dem Austausch zu konkreten Fragestellungen und Lösungsansätzen aus der Praxis.
Im Mittelpunkt des 29. Treffens mit 37 Teilnehmenden aus 6 Bundesländern stand das Thema „Nachhaltigkeit im Laborbetrieb“.
Laborgebäude gehören zu den energie- und ressourcenintensiven Bereichen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Lüftung und Kälteversorgung, Ultra-Tiefkühlgeräte, technische Anlagen und Forschungsgeräte bieten erhebliche Ansatzpunkte für Verbesserungen. Gleichzeitig müssen Maßnahmen immer mit den Anforderungen des Forschungsbetriebs und der Arbeitssicherheit in Einklang gebracht werden.
Den Auftakt bildete am ersten Veranstaltungstag ein Besuch des Medizinhistorischen Museums der Charité – fachlich spannend und an einigen Stellen durchaus eindrücklich. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen bestand Gelegenheit zum informellen Austausch.
Der zweite Tag startete mit mehreren fachlichen Impulsen zu aktuellen Ansätzen für einen nachhaltigeren Laborbetrieb. Vorgestellt wurde unter anderem der neu gegründete bundesweite Verein Green Labs Germany (Webseite im Aufbau), der Akteur*innen rund um nachhaltiges Arbeiten in Laboren vernetzen und den Austausch von Wissen und Erfahrungen fördern möchte. Weitere konkrete Beispiele aus der Praxis boten die Freezer Challenge der Charité Berlin und das Green Lab TUD Program der TU Dresden.
Spannend fand ich auch den Beitrag zur Reduktion des Luftwechsels in Laboren unter Beibehaltung der erforderlichen Sicherheit. Gerade Lüftungsanlagen haben in vielen Laborgebäuden einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch. Der Vortrag zeigte, dass das geforderte Sicherheitsniveau nicht zwangsläufig nur auf dem in technischen Regelwerken beschriebenen Standardweg erreicht werden muss. Entscheidend ist das Schutzziel. So können beispielsweise auch geringere Luftwechselraten möglich sein, wenn unter den konkreten Nutzungsbedingungen ein gleichwertiges Sicherheitsniveau gewährleistet wird.
Das Beispiel zeigt: Nachhaltiger Laborbetrieb beginnt nicht zwangsläufig mit großen Investitionen. Auch technische Betriebsparameter, Nutzungsgewohnheiten und organisatorische Abläufe können relevante Ansatzpunkte bieten.
Die Impulse wurden anschließend im Plenum diskutiert und in mehreren Workshops vertieft. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit Green-Lab-Ansätzen, vordruckgeführten Prozessen im Sonderabfallmanagement, der ISO 50001, ISO 14001 oder EMAS zur Erfüllung der Anforderungen des Energieeffizienzgesetzes sowie mit Nachhaltigkeit in Hochschulverträgen. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt und gemeinsam diskutiert.
Zum festen Bestandteil der Netzwerktreffen gehört zudem das Format „Neues aus den Einrichtungen“. Hier konnten die Teilnehmenden eigene Fragestellungen, aktuelle Entwicklungen, Erfolge und Hemmnisse einbringen. Für mich liegt darin eine besondere Stärke des Netzwerks: Viele Herausforderungen ähneln sich, auch wenn Strukturen und Rahmenbedingungen vor Ort unterschiedlich sind.
Das 29. Netzwerktreffen hat gezeigt, dass nachhaltiger Laborbetrieb weit mehr ist als eine rein technische Aufgabe. Gerade im Labor wird deutlich, dass Nachhaltigkeit dort besonders wirksam werden kann, wo technische, organisatorische und sicherheitsbezogene Anforderungen gemeinsam betrachtet werden. Der hochschulübergreifende Erfahrungsaustausch hat dafür wichtige Impulse gegeben.
Bildquelle: Dr. Jörg Romanski

