Die diesjährige Herbsttagung des ZKI, die gemeinsam mit der 27. Jahrestagung der DINI – der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. – vom 7. bis 10. September 2026 an der RWTH Aachen stattfand, stand unter dem Motto „Von Campus bis Cloud – souverän vernetzt. Nachhaltige Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft“. Diskutiert wurde vor allem, wie Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft künftig gestaltet und weiterentwickelt werden können.
Vorträge zur Digitalen Souveränität und gemeinsame Angebote – von föderierten IDM-Lösungen über souveräne Cloud-Nutzung bis hin zur Digitalen Hochschule NRW – prägten die Tagung. Der Begriff der Souveränität wurde zwar an keiner Stelle abschließend definiert, gleichwohl zeigte sich in den Beiträgen ein ähnliches Grundverständnis in der Bedeutung für die Hochschulen:
- Digitale Souveränität ist nicht ein erreichbarer Zustand, sondern wird eher als fortlaufende Aufgabe verstanden. Die Spannweite der Deutungen reichte dabei von On-Premise-Lösungen über die Fähigkeit zur kurzfristigen Datenmigration bis hin zur Datenhoheit.
- Die Verantwortung dafür muss geteilt werden – zwischen Hochschulleitung, Organisation und Nutzenden.
- Jede Entscheidung über Systeme, Software oder Anwendungen stellt damit eine Entscheidung mit Folgen dar und ist nicht bloß eine einzelne Beschaffung.
- Das Thema Digitale Souveränität sollte in der Hochschulpolitik verankert werden.
An der Tagung haben wir nicht durchgängig teilgenommen; unser Schwerpunkt lag auf den Beiträgen des ZKI-Strangs. Die folgenden Anmerkungen greifen daher einzelne Beiträge heraus.
Auffällig war die Vielzahl an Beiträgen über gemeinsame Vorhaben– von Verbünden, Kooperationen bis zu geteilten Diensten. Der Tenor der Veranstaltung lief darauf hinaus, dass die anstehenden Fragen zu Digitaler Souveränität und Sicherheit von einer einzelnen Hochschule nicht zu lösen sind. Lars Bernard, CDIO der TU Dresden, ordnete diese Entwicklung in seiner Keynote zu Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft im Rahmen der Nationalen Forschungsdaten-infrastruktur (NFDI) ein und machte deutlich, dass tragfähige Infrastrukturen für die Wissenschaft auf Dauer nur arbeitsteilig entstehen können.
Wie das konkret aussieht, zeigten drei Beiträge. Marius Politze und Tobias Schöttler (RWTH Aachen) stellten unter dem Titel „Föderierte IDM für ein föderiertes Diensteportfolio“ einen föderierten Ansatz des Identitätsmanagements vor und berichteten aus der Arbeit der IDM-Geschäftsstelle NRW. Denise Dittrich (RWTH Aachen), Christian Schultz (TU Dortmund) und Patrick von der Hagen (KIT) befassten sich unter der Überschrift „Souveräne Cloud-Nutzung“ mit den Bedingungen, unter denen Cloud-Angebote von Hochschulen verantwortet werden können. Alexander Schulz (U Potsdam) und Jochen Knaus (Weizenbaum-Institut) übertrugen die Frage in ihrem Beitrag „Digitale Souveränität im Feld der Künstlichen Intelligenz“ auf KI-Anwendungen. So unterschiedlich die Gegenstände sind, ähneln sich die Antworten: Der einzelne Standort baut nicht mehr allein, sondern beteiligt sich an etwas Gemeinsamem. Wie anspruchsvoll dieser Übergang in der Umsetzung ist, machte Martin Jungwirth (DH.NRW) am Beispiel der Digitalen Hochschule NRW deutlich. Ziel sei eine gemeinsame IT-Infrastruktur, die von zwei Schwerpunktzentren an der RWTH Aachen und der Universität Paderborn sowie mehreren Dienstleistungszentren getragen wird.
In einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, an der neben Lars Bernard (TU Dresden) und Petra Gehring vom Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) auch Dietrich Nelle (Projekt VESABI), Konrad Förstner (ZB MED) und Matthias Müller (RWTH Aachen) teilnahmen, wurde die strukturelle Seite dieser Entwicklung diskutiert. In der Forschung habe sich die Zusammenarbeit spürbar verdichtet, nicht zuletzt durch die NFDI. Grundsatzfragen wie Digitale Souveränität und Cybersicherheit, so der Grundtenor, ließen sich im Wettbewerb nicht lösen. Um dies weiter zu fördern, ist aber ein anderer Ansatz der Förderung notwendig – der nicht allein auf die Förderung einzelner exzellenter Projekte abzielt. Bemängelt wurde außerdem ein fehlendes Policy-Making, auch im Sinne der Setzung verbindlicher Standards. Für die weitere Gestaltung wurden zwei Fragen als zentral benannt: Wie lässt sich Digitale Souveränität messen? Und wie ist das Risiko zu betrachten?
Parallel ergab sich für uns die Gelegenheit, zumindest zeitweise am Arbeitskreis Campus Management teilzunehmen. Bert Zulauf (HHU Düsseldorf) berichtete über aktuelle Herausforderungen mit ihrer Wiki- und Kollaborationssoftware. Aufgrund von Anpassungen im Angebot des Anbieters müssten Hochschulen derzeit auf ein Cloudmodell wechseln, was jedoch aufgrund der teilweise sensiblen hinterlegten Daten und einer erheblichen (auch prognostizierten) Preissteigerung für viele Hochschulen nicht in Frage kommt. Intensiv diskutiert wurde der Vortrag von Markus von der Heyde, der das HERM (Higher Education Reference Models) vorstellte. Geplant ist die Entwicklung von Referenzmodellen für deutsche Hochschulen, die künftig bundesweit allen Einrichtungen zur Verfügung stehen sollen.
Die kommende Frühjahrstagung des ZKI findet vom 22. bis 24. März 2027 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Titel ist „Wissenschaft im Wandel – Digitale Infrastrukturen als Grundlage der Forschung von morgen“.
Das Programm der 27. DINI Jahrestagung und ZKI Herbsttagung 2026 finden Sie hier.
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