Komm. Leitung Hochschulinfrastruktur

Ralf-Dieter Person


E-Mail person@his-he.de
Mobil +49 160 90624061
Telefon +49 511 169929-14

Leitung bauliche Hochschulentwicklung

Korinna Haase


E-Mail haase@his-he.de
Mobil +49 151 72644760
Telefon +49 511 169929-49

LEITUNG HOCHSCHULMANAGEMENT

Dr. Maren Lübcke


E-Mail luebcke@his-he.de
Mobil +49 151 62955162
Telefon +49 511 169929-19

LEITUNG VERWALTUNG

Silke Heise


E-Mail heise@his-he.de
Mobil +49 151 72642896
Telefon +49 511 169929-57

UNTERNEHMENS-KOMMUNIKATION

Kendra Rensing


E-Mail rensing@his-he.de
Mobil +49 171 1292613
Telefon +49 511 169929-46

Allgemeine Anfragen


E-Mail info@his-he.de
Telefon +49 511 169929-0


Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik

„Gerade in diesen Zeiten“: Verantwortung für die Hochschule und Wissenschaft übernehmen

Was heißt es heute, an Hochschulen Verantwortung zu übernehmen? Zwischen wachsenden Anforderungen, unsicheren Rahmenbedingungen und dem Anspruch, Wissenschaftsfreiheit zu sichern, ist diese Frage alles andere als abstrakt. Sie stand im Mittelpunkt der Jahrestagung des Netzwerks Wissenschaftsmanagement am 1. und 2. Oktober 2026 in Braunschweig. Unter dem Titel „Verantwortlich gestalten – Wissenschaftsmanagement zwischen Forschung, Bildung und Politik“ kamen rund 250 Teilnehmende im Haus der Wissenschaft an der TU Braunschweig zusammen.

Zwei Tage lang ging es darum, was verantwortungsvolles Handeln im Hochschulalltag ausmacht. Für mich zog sich dabei eine Frage durch die Tagung: Wie können wir Hochschulen nicht nur unter schwierigen Bedingungen funktionsfähig halten, sondern ihre Zukunft bewusst gestalten?

Verantwortung wächst aus Leidenschaft und Haltung

„Gerade in diesen Zeiten“ – diese Wendung prägte die Begrüßung durch die Präsidentin der TU Braunschweig, Prof. Dr. Angela Ittel. Sie würdigte die zentrale Rolle des Hochschulmanagements: Wer zwischen Forschung, Lehre, Verwaltung und Hochschulpolitik arbeitet, bewegt sich in unterschiedlichen Logiken, übersetzt, baut Brücken und übernimmt täglich Verantwortung. Ohne diese Arbeit würden Hochschulen nicht funktionieren.

Die Aufgaben sind vielfältig und groß: Digitalisierung und künstliche Intelligenz, gute Lehre und exzellente Forschung, Fachkräftebildung und Wissenstransfer, die Öffnung zur Stadtgesellschaft, attraktive Studien- und Arbeitsbedingungen. Was Hochschulmanager:innen bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Tätigkeiten verbinde, sei die Leidenschaft für ihre Hochschule und für eine freie Wissenschaft. Ittel lenkte den Blick zugleich auf die zunehmenden politischen Angriffe auf Wissenschaftsfreiheit und Demokratie. Verantwortung zu übernehmen, bedeute vor diesem Hintergrund, mehr als Abläufe zu organisieren und Probleme zu lösen. Es heißt, jeden Tag für eine freie, erkenntnisgeleitete und weltoffene Wissenschaft einzutreten.

Die Keynote von Janine Nuyken knüpfte daran an. Mit einem Rückblick auf ihren eigenen Werdegang machte sie deutlich, was Haltung bewirken kann: Ohne Menschen, die sich dafür eingesetzt hätten, dass mehr Frauen Führungsverantwortung übernehmen, wäre sie heute nicht in ihrer Position als Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina. Veränderungen seien möglich – auch gegen Widerstände. Dafür brauche es Menschen, die an ihren Werten festhalten, sie gerade in Führungspositionen vorleben und für diese einstehen.

Beteiligung ist mehr als Mitmachen

Ein zweiter Schwerpunkt der Keynote war die Frage, wie Partizipation gelingt. Nuyken warnte davor, Beteiligung lediglich als Mittel zu verstehen, um bereits geplante Veränderungen zu legitimieren. Ebenso wenig dürfe Partizipation mit der Bereitschaft gleichgesetzt werden, dass Mitarbeitende zusätzliche Aufgaben oder Verantwortung übernehmen. Für viele bedeutet Beteiligung zunächst, gehört, gesehen und informiert zu werden. So verstanden, wird sie zu einem gemeinsamen Lernprozess: Unterschiedliche Vorstellungen und Widerstände werden sichtbar, sind zu akzeptieren und können für die Weiterentwicklung der Organisation produktiv genutzt werden.

Darin liegt zugleich eine besondere Herausforderung für Hochschulen. Wissenschaft lebt von kritischer Prüfung, vom Widerspruch und vom Wettbewerb um Ideen. Personen an Hochschulen seien von Hause aus sehr geübt darin, immer das Haar in der Suppe zu finden. Verantwortungsvolles Hochschulmanagement muss aber Gemeinsamkeiten suchen und diese sichtbar machen, um den vielen Handlungen und Entscheidungen eine Richtung zu geben.

Was wir erwarten und was wir wollen, sind zwei Paar Schuhe

Wie eine solche Verständigung über Zukunft aussehen kann, habe ich in meinem Workshop „Wenn Wachstum zur Sackgasse wird – Strategien für ein verantwortungsvolles Hochschulmanagement“ mit knapp 40 Teilnehmenden erkundet.

Ausgangspunkt war meine Beobachtung, dass etablierte Routinen im Hochschul- und Wissenschaftssystem zunehmend unter Druck geraten und als nicht mehr zukunftsfähig gelten: Hausarbeiten als Prüfungsformat, die quantitative Bewertung wissenschaftlicher Leistung oder der Ausbau von Studienangeboten als Entwicklungsstrategie. Was lange selbstverständlich erschien, muss heute neu begründet oder anders gestaltet werden. Verantwortungsvolles Handeln bedeutet deshalb auch, die aus den Brüchen und Krisen resultierenden Unsicherheiten ernst zu nehmen. Umbrüche sind anstrengend und können überfordern. Sie machen aber zugleich deutlich: Zukunft lässt sich nicht einfach als Fortsetzung der Vergangenheit denken. Sie ist eine Aufforderung an uns, diese durch unser Handeln im Kleinen wie im Großen aktiv zu gestalten.

Um den eigenen Zukunftsvorstellungen auf die Spur zu kommen, erprobten die Teilnehmenden die erste Phase eines sogenannten Zukünftelabors. Zunächst hielten sie die Zukunftsbilder fest, von denen sie annehmen, dass diese im Jahr 2035 an Hochschulen Normalität sind. Anschließend fragten sie sich zuerst allein und dann in Gruppen, welche Annahmen hinter diesen Erwartungen stehen. Im nächsten Schritt ging es um die Hochschulzukunft, die sie sich wünschen – und um die Werte, die in den wünschenswerten Zukünften zum Ausdruck kommen.

Die Gegenüberstellung war aufschlussreich: In den Vorstellungen wahrscheinlicher Zukünfte dominierten Fortschreibungen aktueller Entwicklungen, etwa Ressourcenmangel, Prozess- und Kennwertorientierung und der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz. Die gewünschten Zukünfte orientierten sich dagegen an Sinnhaftigkeit, Menschlichkeit, Solidarität und Kooperation, Respekt, Wertschätzung und Demokratie. Was wir erwarten und was wir uns wünschen, ist offenbar nicht dasselbe.

Seit dem Workshop beschäftigen mich besonders die Fragen: Wie frei sind wir in unserem Denken und Entscheiden, wenn unsere Zukunftserwartungen so stark von technologischen Entwicklungen geprägt sind, die aktuell von wenigen großen Tech-Unternehmen vorangetrieben werden? Wie viel Deutungsmacht über unsere Zukünfte und die Rolle der Hochschulen darin wollen wir diesem kleinen, männlichen und medial wirkmächtigen Personenkreis geben?

Allein Widersprüche auszuhalten, reicht nicht aus

Für mich liegt eine zentrale Einsicht der Tagung darin, zu ergründen, wie die Differenz zwischen Erwartungen und Wünschen für die Gestaltung von Hochschulen genutzt werden kann. Ambiguitätstoleranz – die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Anforderungen umzugehen – ist zwar wichtig; reicht aber nicht aus, wenn sie vor allem bedeutet, Spannungen lediglich auszuhalten. Stattdessen brauchen Hochschulen Räume, in denen sie sich darüber verständigen, welche Zukunft sie anstreben und welche Werte ihre Entscheidungen leiten sollen. Das beseitigt weder Unsicherheit noch Zielkonflikte. Es kann aber helfen, Anforderungen nicht nur abzuarbeiten, sondern Entwicklungen in eine gemeinsam getragene und wünschenswerte Richtung zu lenken und Orientierung zu geben.

Die Tagung bot Gelegenheit und Anregung, solchen Fragen jenseits des Arbeitsalltags gemeinsam auf die Spur zu kommen. „Gerade in diesen Zeiten“ Verantwortung zu übernehmen, heißt für mich deshalb auch: innezuhalten, die eigenen Annahmen zu hinterfragen und darüber zu sprechen, an welchen erstrebenswerten Zukünften für Hochschulen und Wissenschaft wir unsere Entscheidungen ausrichten wollen.


Bildquelle: Pexels/Sami Abdullah


Dr. Christian Kühn