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Hochschulinfrastruktur, Veranstaltungen

Herausforderungen für Hochschulen im Gebäudemanagement – zwischen KI, Klimawandel und neuen Arbeitswelten – Beobachtungen auf der diesjährigen ATA-Tagung

Wenn ich zurückblicke auf die letzte Tagung der Arbeitsgemeinschaftder Technischen Abteilungen an wissenschaftlichen Hochschulen (ATA), die Mitte Juni in Stuttgart stattfand, dann waren dort nahezu alle Themen vertreten, die die Hochschulverwaltungen gerade beschäftigen. Zu beobachten sind dabei neue Entwicklungen und dynamische Prozesse, die zu echten Herausforderungen für die Zukunft werden, verbunden mit vielen Fragen, auf die es keine fertigen oder einfachen Antworten gibt.

Die Themen reichten von Virtual Reality bis zur Regenwasserbewirtschaftung, von Laborabluft bis zur Führungskräfteentwicklung. Und dazwischen gibt es noch einiges mehr. Im Gebäudemanagement von Hochschulen sind gerade viele Dinge im Fluss und vieles passiert gleichzeitig. Man könnte auch sagen, Transformation ist hier kein einzelnes Projekt, sondern bereits ein Dauerzustand, der alle Ebenen erfasst.

Auf der Liste der spannenden Themen steht natürlich KI ganz oben. Aber hier liegen Euphorie und Frustration eng beieinander. Das empfinde offenbar nicht nur ich so. Da gibt es wenige Spezialisten, die die Entwicklung verstehen und aktiv mitwirken. Die mit ungeheuer vielen Ressourcen versuchen, alle Aufgaben, die es gibt oder vielleicht geben könnte, zu lösen. Was schon per se irgendwie paradox klingt, aber sicherlich (in Teilen) durchaus hilfreich sein könnte, wenn damit tatsächlich echte Probleme, wie Kriege, Hunger, Armut und Ungerechtigkeiten etc. gelöst werden könnten und diese nicht einfach nur verstärkt werden. Die Frage ist für mich dabei nicht, ob und was KI und die zugehörigen Systeme besser können als wir Menschen. Da fehlt offenbar tatsächlich nicht mehr viel bis zu dem Zeitpunkt, dass die Systeme so perfekt sind, dass sie auch ohne uns klarkommen. Menschen neigen dazu, sich und ihre Bedeutung zu überschätzen. Wir freuen uns insgeheim über jeden Fehler, den ein KI-System, dem wir eine simple Frage stellen, macht, ohne darüber nachzudenken, wie viele Fehler wir tagtäglich machen. Die Geschwindigkeit der Entwicklung der KI-Systeme ist atemberaubend. Wie sagt ein KI-Spezialist in seinem Vortrag: Wenn Du aktuell ein neues System ausprobierst und willst darüber in der nächsten Woche im Kreise Gleichgesinnter sprechen, dann ist es das schon wieder veraltet.

Die Frage ist eigentlich, was ist wirklich sinnvoll und wie gelangen wir dorthin, ohne uns selbst zu verlieren. Da gibt es aus meiner Sicht noch viel Forschungspotenzial. Aber das sind eigentlich nur Gedanken am Rande, die gar nicht so viel mit der angesprochenen Tagung zu tun haben. Wer sich für das Thema KI im Zusammenspiel mit Energie und Klimaschutz interessiert, kann gern bei unserem Forum Energie im Herbst an der TU Clausthal vorbeischauen und insbesondere hierzu den Beitrag von Professor Otte anschauen. Eine Aussage, die im Rahmen unserer letzten HIS-HE-Online-Austauschrunde gefallen ist, hat mich da etwas stutzig gemacht. Wenn der Energieaufwand beim Anschauen eines in einem KI-System generierten Fahrzeugs größer ist als der reale Energieverbrauch auf der Straße, dann ist das schon etwas befremdlich. 

Viele andere, zum Teil auch neue, Themen wirken im Vergleich dazu schon fast simpel. Obwohl hier auch eine hohe Komplexität besteht. Beispielsweise wie wir in Zukunft arbeiten – und was das für Gebäude und Flächen bedeutet. Vorausgesetzt natürlich, wir arbeiten tatsächlich noch und die KI macht das nicht alles für uns 😊. New Work ist mittlerweile an Hochschulen kein abstraktes Schlagwort mehr. VR-Tools finden auch hier bereits in der Planungsphase Verwendung, um entsprechende Raumkonzepte erlebbar zu machen, bevor hier etwas gebaut wird. Immer wieder geht es dabei auch um Fragen der Flächenkonsolidierung. „Nicht Raum fehlt, sondern Transparenz“ so lautet ein spannender Vortrag aus der ETH Zürich. Wie lassen sich knappe Ressourcen intelligenter nutzen, ohne dass Forschung und Lehre darunter leiden? Mobiles Arbeiten und Homeoffice sind dabei weitere wichtige Ansatzpunkte, die neue Flächenkonzepte sinnvoll erscheinen lassen.   

Zurück zur KI. Die ist im Bereich des Gebäudemanagements noch nicht wirklich angekommen. Sicher gibt es einige, die nutzen die einschlägigen Programme wie ChatGPT, Claude etc. Und es soll sogar vereinzelt Hochschulverwaltungen geben, die sind da schon sehr viel weiter. Anwendungen, die bereits funktionieren sind aber oft sehr viel nüchterner als die vielen Versprechungen aus den Ideenschmieden. Da kann KI einfach dabei helfen, Betriebsdaten auszuwerten, Muster zu erkennen und Wartungsintervalle zu optimieren. Gebäudeautomation ist hier das passende Stichwort. Ein großes Projekt läuft hierzu an der Universität Stuttgart. Parallel mit der Einführung eines CAFM-Systems und einer Energiemanagement-Software.

Das Thema Bauen hat sich ebenfalls verändert. Die Integrierte Projektabwicklung (IPA) steht exemplarisch für einen innovativen Ansatz, der Auftraggeber, Planer und ausführende Unternehmen frühzeitig und sehr eng zusammenbringt – ein Modell, das in der Theorie überzeugend klingt und in der Praxis erheblichen Kulturwandel erfordert. Hier stehen nicht mehr einzelne Unternehmen nebeneinander, sondern die Beteiligten gründen quasi ein Unternehmen auf Zeit.

Weitere Fragen betreffen die Wärmetransformationsplanung an Hochschulen, also die konkrete Frage, wie Wärmeversorgung dekarbonisiert werden kann, ohne den Betrieb zu gefährden. Und ein Thema, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber erhebliche Einsparpotenziale birgt, ist die Reduzierung des Luftwechsels in Laborabluftanlagen. Laborgebäude gehören zu den energieintensivsten Gebäudetypen überhaupt – hier ist ein hohes Potenzial zu vermuten.

Nachhaltigkeit zog sich als roter Faden durch mehrere Beiträge. Wie lässt sich der Gebäudebetrieb nachhaltig optimieren? Welche Klimarisiken sind bereits heute in Planungsentscheidungen zu berücksichtigen? Wie funktioniert Regenwasserbewirtschaftung auf einem Campus, der sich verändert? Ein Beispiel aus der TU Darmstadt macht deutlich, dass Nachhaltigkeit auf dieser Ebene konsequent umgesetzt werden kann, wenn der politische Wille vorhanden ist und entsprechende Entscheidungen getroffen werden. Und was dabei auch wichtig ist: Wirtschaftlichkeit ist dabei kein Widerspruch.

Nicht zuletzt standen auch Personalentwicklung und Führung auf der Agenda sowie mit „Persönlichkeitsstruktur und Kommunikation“ auch Dinge, die man klassisch nicht mit Gebäudetechnik verbindet. Aber klar ist auch, alle Technologien, Konzepte und Strategien, die auch im Rahmen der Tagung diskutiert wurden, stehen und fallen mit den Menschen, die sie umsetzen. Wer Transformation will, muss auch in Führungskultur investieren.

Am Ende einer solchen Tagung bleibt nicht eine einzelne Erkenntnis, sondern ein Gefühl für den vielfachen Wandel, der technisch, ökologisch und organisatorisch zugleich ist. Die Fragen werden nicht einfacher – aber das Gespräch darüber ist wichtiger denn je.

Wer sich für den ATA interessiert: www.ata-org.de Hierbei handelt es sich um eine geschlossene Arbeitsgemeinschaft (Mitglieder aus wissenschaftlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz).

Und wer sich für das Forum Energie interessiert, findet hier das Programm für die Veranstaltung im September: https://medien.his-he.de/veranstaltungen/14-forum-energie-2026/


Bildquelle: Pixabay/gerald


Ralf-Dieter Person