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Digitalisierung, Hochschulbau, Studium und Lehre, Veranstaltungen

Welche physischen, aber auch virtuellen Lernräume braucht die Hochschule der Zukunft?

Darüber habe ich Anfang Februar im Rahmen eines digitalen Podiums gemeinsam mit Dr. Gudrun Bachmann (Univ. Basel), Dr. Mathias Magdowski (Univ. Magdeburg) und Danica Rath (HdM Stuttgart) diskutiert. E-teaching.org hatte anlässlich des Themenspecials „Hybride Lernräume“ die zukünftige Gestaltung und die räumliche Verortung von Lehre und Studium in den Fokus genommen und unter der Leitung von Prof. Christian Kohls zur Diskussion der Frage geladen, „ob bzw. inwiefern der hybride Campus mit einer gezielten Verknüpfung physisch-analoger und virtuell-digitaler Lernräume ein geeignetes Zukunftsmodell für die Hochschulen darstellt“[1]. Es war ein spannendes Gespräch, das sehr von den verschiedenen Blickwinkeln der Teilnehmenden profitiert hat. In diesem Zusammenhang sind insbesondere in Bezug auf die Ausstattung von Hochschulen mit physischen Räumen und Flächen einige Themen aufgekommen, auf die ich an dieser Stelle noch einmal näher eingehen möchte. So wurde ich z.B. gefragt:

„Was macht den Campus als Lernraum aus? Welche Veränderungen nehmen Sie nach 5 Semestern Pandemie wahr?“

Das ist nicht schwer zu beantworten: Für mich ist der physische Campus ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Diskurses, innerhalb wie außerhalb von Lehrveranstaltungen. Im Rahmen der vollständig digitalen Lehre bewegten sich viele in ihrer persönlichen Blase innerhalb von Fachrichtungen oder Fakultäten. Über den Tellerrand zu schauen war lange Zeit nur eingeschränkt möglich. Ein fruchtbarer Austausch von Ideen, Meinungen und Perspektiven fand dabei nur unzureichend statt. Der physische Raum hingegen bietet die einzigartige Chance, Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlichster Natur und Interessen zu ermöglichen und sogar zu forcieren. Ich denke, das ist den meisten Hochschulangehörigen in den letzten Monaten noch einmal sehr bewusst geworden.

Was ist Ihre individuelle Perspektive auf das Thema „Der hybride Campus als Zukunftsmodell?“

Meiner Meinung nach wird die hybride Lehre auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Sie bietet Studierenden wie Lehrenden zusätzliche Freiheiten, darf dabei jedoch nicht als Selbstzweck verstanden werden. Vielmehr muss es darum gehen, sie als didaktisches Mittel gezielt einzusetzen. So z.B. im Rahmen von Inverted Classroom Szenarien, die ermöglichen den Fokus vor Ort in der Hochschule auf das gemeinsame Anwenden von Wissen zu legen. Räumlich bedeutet dies eine Konzentration auf Flächen für gruppenzentriertes Arbeiten und einen Rückbau von Flächen für klassische Frontallehre.

Lehre und Lernen unterliegen starken Veränderungen, reiner Frontalunterricht wird immer häufiger ergänzt oder sogar ersetzt durch projekt- und/oder gruppenorientiertes Lehren und Lernen: Woher sollen die zusätzlichen Flächen für mehr Gruppen- und Projektarbeit kommen?

Die Veränderungen, denen Lehre und Lernen unterliegen, bewirken insgesamt vor allem eine Verschiebung des Flächenbedarfs, aber nicht zwangsläufig immer einen Mehrbedarf. Hier hängt viel von den individuellen Lehr-Lernszenarien ab. Gruppen- und projektorientiertes Lehren und Lernen ist dabei sicher flächenintensiver als reiner Frontalunterricht. Und Hörsäle mit ansteigendem Gestühl sowie Räume, die ausschließlich auf Frontalunterricht ausgerichtet sind, werden künftig wohl weniger gebraucht. Diese können im Bestand aber so umgenutzt werden, dass auch hier die Abbildung gruppenzentrierter Szenarien möglich ist. Im Sinne des Suffizienzgedankens und eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Ressource Fläche kann es eigentlich nicht nur um ein Mehr an Flächen gehen, sondern vor allem auch um einen bedarfsgerechten Zuschnitt, der genügend Flexibilität in der Nutzung ermöglicht. Zusätzlich müssen bisher ungenutzte Bereiche wie z.B. Flure oder Foyers aktiviert werden (natürlich immer im Einklang mit dem Brandschutz). Auch eine Ausweitung von Nutzungszeiten und Zugänglichkeiten, auch über Fakultätsgrenzen hinaus, erhöhen die Nutzungsflexibilität. Wir sollten also in erster Linie schauen, wie wir mit dem auskommen was schon da ist, bevor wir anfangen neu zu planen.

Und woher nehmen wir das Geld für die Transformation bestehender Flächen und die Ausstattung mit digitalen Medien?

Eine Ausstattung mit digitalen Medien ist vielerorts bereits im Zuge der Coronakrise erfolgt. Viele Hörsäle und Seminarräume wurden fit für hybride Anwendungen gemacht. Darüber hinaus bedarf es auch nicht in allen Fällen einer High-end-Technikausstattung. Inverted Classroom Formate z.B., bei denen theoretisches Wissen außerhalb der Hochschule angeeignet wird und bei denen dann vor Ort vor allem eine Anwendung desselben im Vordergrund steht, lassen sich ohne weiteres in analogen Räumen abbilden. Auch für kreative Formate wird nicht unbedingt ein durchdigitalisierter Raum benötigt. Das Gleiche gilt für Formate, bei denen Austausch und Diskussion im Mittelpunkt stehen. Viel lässt sich schon mit flexiblem Mobiliar wie z.B. Tischen und Stühlen mit Rollen erreichen. Darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, dass sich die Lehre an den Hochschulen ad hoc radikal ändern wird. Vielmehr handelt es sich um einen stetig voranschreitenden Prozess. Um diesen zu unterstützen, müssen natürlich passende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Aber das passiert nicht überall am Campus gleichzeitig und bietet den Hochschulen so die Chance, sich neuen Entwicklungen schrittweise anzupassen. Notwendig ist dafür vor allem eine strategische Planung, für die eine gemeinsame Betrachtung von Lehre, Lernen und physischen wie digitalen Raumstrukturen die Grundlage bildet.

Im Hochschulbau dauert es oft viele Jahre (manchmal Jahrzehnte) zwischen Planung, Bau und Inbetriebnahme. Durch hybride und mobile Lernformate wird sich der Bedarf für bestimmte Raumtypen in den nächsten Jahren stark ändern. Wie stellt man sicher, dass man schon heute so plant, dass in 10 Jahren die richtigen Räumlichkeiten für hybride Lehre vorhanden sind?

Wir erhalten aus den Hochschulen Rückmeldung, dass die Erfahrungen mit verschiedenen digitalen Formaten unterschiedlich ausgefallen sind. Vollständig digitale Lehre wurde während der Pandemie von den allermeisten Hochschulen als reine Notlösung praktiziert. Neben den situationsbedingten Vorteilen, die sich ergeben haben (z.B. akuter Gesundheitsschutz, bessere Vereinbarkeit von Studium und Privatleben), hat sie auch eine ganze Menge negative Auswirkungen gehabt (z.B. Vereinsamung von Studierenden, fehlender Diskurs). In dieser Phase ist vielen bewusst geworden, welchen Wert die persönliche Begegnung auf dem Campus hat und die meisten Hochschulen wollen entsprechend nicht zu einer rein digitalen Lehre zurück.

Als weitere Option wurde die hybride Lehre (im Sinne doppelter Synchronizität) gehandelt und praktiziert. Studierende wurden von außen zugeschaltet, während andere in Präsenz an derselben Veranstaltung teilnahmen. Auch hier sind die Rückmeldungen nicht nur positiv. Viele Lehrende empfanden es als große Herausforderung, beiden Teilnehmendengruppen gleichermaßen gerecht zu werden.

Viele positive Rückmeldungen erhalten wir dagegen zur asynchronen hybriden Lehre wie z.B. zum Inverted Classroom. Diese adressiert insbesondere eine Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen. Die Frage ist daher, in welche Richtung sich die Lehre künftig entwickeln und welche Bedeutung der physische, wie auch der digitale Raum dabei haben wird. Wir sind uns sicher, dass der physische Ort Hochschule auch in Zukunft insbesondere einen Wert als Ort der Begegnung, des Austausches und des Diskurses darstellen wird. Entsprechend brauchen wir Raumformate, die dies unterstützen. Wir gehen dabei weg von Räumen mit frontaler Ausrichtung hin zu Räumen, die eine Abbildung mehrerer Lehr-Lern-Szenarien ermöglichen (z.B. Mixed Practice Räume). Es geht also um Flexibilität und um eine gewisse Vielfalt. Und auch Im Planungsprozess muss sich einiges ändern. Hier darf es nicht zu früh zu Festlegungen kommen, die dann im weiteren Prozess nicht mehr reversibel sind. Der Wissenschaftsrat geht auf dieses Thema in seinem „Positionspapier Probleme und Perspektiven des Hochschulbaus 2030“ umfassend ein[2].

Wie beantwortet man nun also die Eingangsfrage nach konkreten physischen und virtuellen Lernräumen? Und was bedeutet das in der Praxis und für unsere tägliche Arbeit? Die Ausführungen haben gezeigt, dass es keine pauschale Antwort gibt. Die Nutzung von Lehr-Lernflächen physischer wie digitaler Art ist in hohem Maße abhängig von individuellen Faktoren. Um so wichtiger ist es, Spielräume zu eröffnen. Vor allem über eine Bereitstellung flexibler und multifunktionaler Räume. Aber auch die Fähigkeit, diese Räume adäquat nutzen zu können ist von großer Bedeutung. Entsprechend muss ein Bewusstsein für den Raum als dritten Pädagogen geschaffen und Raumkompetenz vermittelt werden. Didaktik, Raum und Technik sind dabei immer zusammen zu denken und zu planen. Möglichst aus verschiedenen Perspektiven und unter Einbezug der Stakeholder. Dies eröffnet Handlungsspielräume und ermöglicht eine zukunftsorientierte Gestaltung von Lehr- und Lernflächen.

Ein Aufzeichnung der Podiumsdiskussion finden Sie hier: https://www.e-teaching.org/community/communityevents/onlinepodium/der-hybride-campus-als-zukunftsmodell


[1] https://www.wissenschaftsrat.de/download/2022/9470-22.pdf?__blob=publicationFile&v=18

[2] https://www.e-teaching.org/community/communityevents/onlinepodium/der-hybride-campus-als-zukunftsmodell


Bildquelle: Pixabay/eldewsio