Wie müssen Hochschulen ihre Flächen weiterentwickeln, um den sich wandelnden Anforderungen an Lehren und Lernen gerecht zu werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Frühjahrstagung des Fachbeirats Hochschulbau, die am 07. und 08. Mai 2026 in Rostock stattfand. Expertinnen und Experten aus Hochschulen, Bauverwaltungen,Wissenschafts- und Finanzministerien der Bundesländer diskutierten Trends, Praxisbeispiele und strategische Ansätze zur Campus-Entwicklung.
Vom Frontalunterricht zum flexiblen Lernraum
Seit der Jahrtausendwende vollzieht sich an Hochschulen ein schrittweiser Wandel hin zu Lehr- und Lernformaten, die Kollaboration und selbstbestimmtes Lernen fördern. Besonders anschaulich lässt sich dieser Prozess an Bibliotheken beobachten, die sich zunehmend von Bücherdepots zu zentralen Lernorten wandeln. Erfahrungen zeigen, dass partizipative Prozesse dabei entscheidend sind. Nur wer alle Beteiligten frühzeitig einbindet, kann den Wandel nachhaltig gestalten.
Vertrauen statt Kontrolle
Gute Lernorte brauchen keine „überdidaktisierten“ Spezialräume, sondern eine solide Grundausstattung mit flexibler, kombinierbarer Möblierung. Studierende schätzen Flächen, die sie sich nach eigenen Bedürfnissen aneignen können. Probleme mit Vandalismus oder Verschmutzung treten vergleichsweise selten auf, wenn Studierende Räume als ihre eigenen wahrnehmen.
Ein viel beachtetes Praxisbeispiel liefert das Studierendenhaus der TU Braunschweig. In Stahl-Holz-Hybridbauweise errichtet, modular und demontierbar, bietet es flexible Arbeitsplätze, natürliche Belüftung und durchdachte Raumakustik. Täglich von morgens bis abends geöffnet und weitgehend selbstorganisiert, wird es von Studierenden aller Fachrichtungen intensiv als sozialer Lernort genutzt.
Ungenutzte Potenziale auf dem Campus
Viele Hochschulen schöpfen das Potenzial vorhandener Flächen noch nicht aus. Mensen, Foyers und Außenbereiche bieten erhebliche Möglichkeiten als ergänzende Lernorte, werden aber häufig nicht mitgedacht. Für die Mitnutzung von Verpflegungseinrichtungen braucht es klare Absprachen zwischen Hochschulen, Studierendenwerken und Ministerien. Neue Bauvorhaben sollten solche Nutzungsformen von Anfang an einplanen.
Strategische Verankerung als Schlüssel
Selbstlernflächen entstehen selten von selbst. Sie brauchen Treiber sowie eine strategische Verankerung durch die Hochschulleitung. Attraktive Lernorte sind längst ein Wettbewerbsvorteil, doch fehlt ihnen im Verteilungskampf um knappe Flächen oft eine starke Lobby. Gefragt ist ein Umdenken weg von der Frage, wie viel Fläche man für Lernen aufwendet, hin zu dem Qualitätsgewinn, den gut gestaltete Lernorte für die gesamte Hochschule bedeuten.
Sanierung, Neubau und Energieeffizienz
Ein Blick in die Bundesländer zeigt, dass allerorten ähnliche Herausforderungen den Hochschulbau prägen. Der Sanierungsstau hat vielerorts Vorrang vor Neubauprojekten. Mittel aus der Bund-Länder-Vereinbarung vom Februar 2026 fließen in den Hochschulbau, wobei die Schwerpunkte je nach Land unterschiedlich gesetzt werden. Beim Thema Energieeffizienz sorgt die anstehende Novellierung des Energieeffizienzgesetzes für Unsicherheit. Einig war man sich, dass einmal eingeführte Energiemanagementsysteme wirtschaftlich sinnvoll bleiben und weitergeführt werden sollten.

