Spannende Impulse, lebhafte Diskussionen und zahlreiche Praxisbeispiele: Beim 19. Forum Gebäudemanagement am 4. und 5. März 2026 stand alles im Zeichen eines zentralen Themas für Hochschulen und Forschungseinrichtungen – dem effizienten Umgang mit Ressourcen. Unter dem Titel „Ressourcenmanagement – Potenziale identifizieren und heben“ tauschten sich Fachleute aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen darüber aus, wie sich begrenzte finanzielle, personelle und natürliche Ressourcen im Gebäudemanagement besser nutzen lassen.
Der erste Veranstaltungsblock befasste sich mit Zertifizierungs- bzw. Managementsystemen wie beispielsweise ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 und EMAS (Umwelt) sowie ISO 50001 (Energie). Prof. Dr. Frank Ebinger der TH Nürnberg zeigte, wie ein Managementsystem Transparenz schaffen, Steuerung ermöglichen und Risiken kontrollierbar machen kann – und damit zu einem wirkungsvollen Instrument für Effizienzsteigerung wird. Besonders hervorgehoben wurde die Möglichkeit, ein integriertes Managementsystem aufzubauen, um Synergien zwischen verschiedenen Systemen zu nutzen. In einem interaktiven Austauschformat hatten die Teilnehmenden anschließend die Möglichkeit, gemeinsam Hürden und Erfolgsfaktoren für die Einführung eines Managementsystems zusammenzustellen.
Passend dazu gab es vor Ort die Möglichkeit, einen Blick auf die Wanderausstellung des europäischen Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) zu werfen und sich über das für Hochschulen sehr gut geeignete Umweltmanagementsystem zu informieren. Vielen Dank an dieser Stelle an den Umweltgutachterausschuss des Bundesumweltministeriums für die kostenlose Bereitstellung der EMAS-Wanderausstellung!
Der zweite Veranstaltungsblock widmete sich verschiedenen Instrumenten zur Kostenbeherrschung und Finanzierung. Zunächst stellten Meik Möllers von der Universität Oldenburg und Anja Zink von HIS-HE das Instrument Benchmarking vor und diskutierten mit den Teilnehmenden über Chancen und Herausforderungen. Dabei wurde deutlich, dass es nicht einfach um den Vergleich von Kennzahlen geht. Vielmehr entsteht der deutliche Mehrwert in einem kontinuierlichen Prozess, der einen intensiven Austausch zwischen Hochschulen (auch in einem geschützten Raum) fördert, um direkt voneinander zu lernen und wichtige Erfahrungen zu teilen.
Im Anschluss ging es um die Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen. Prof. Dr.-Ing. Jens Knissel von der Uni Kassel stellte das Finanzierungsinstrument Intracting vor. Mithilfe einer Anschubfinanzierung wird dabei ein Prozess geschaffen, der zu einer kontinuierlichen, selbstragenden Finanzierung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung von Treibhausgasemissionen beiträgt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde ein Handlungsleitfaden für Intracting an Hochschulen entwickelt, welcher kurz vorgestellt wurde. Das Verfahren wird u. a. an der Universität Kassel seit einigen Jahren erfolgreich angewendet und ist für viele Hochschulen sehr gut zur Finanzierung von Energieeinsparmaßnahmen, aber auch für die Realisierung von Projekten mit erneuerbaren Energien geeignet.
Zum Abschluss des ersten Tages sprach Michael Korn von der Alfen Consult GmbH und Dozent an der Bauhaus-Universität Weimar über die Kreditfinanzierung von Investitionen im Hochschulbau – ein Beitrag, der eine lebhafte Diskussion auslöste. Ob und in welchem Umfang Hochschulen Kredite aufnehmen können, muss jeweils individuell betrachtet werden. Dabei ist die rechtliche Einordnung zur Einhaltung der Schuldenbremse zum einen auf nationaler Ebene und zum anderen auf EU-Ebene maßgeblich. Erfahrungsberichte aus dem Publikum zeigten, dass dies in Nordrhein-Westfalen bereits mit unterschiedlichen Umsetzungsvarianten möglich ist.
Der zweite Tag begann mit einem Themenblock zur nachhaltigen Ressourcennutzung. Hanna Bonekämper vom Karlsruher Institut für Technologie berichtete in einem Follow-Up über das Forschungsprojekt „NaiS“, das sich mit KI-gestützter Digitalisierung und der Entwicklung einer Plattform für datenbasierte Gebäudesanierung beschäftigt. Ziel des Projektes ist eine objektive Bewertung und Optimierung von Sanierungsmaßnahmen über eine digitale Plattform. Ihr Fazit: „NaiS ist nice“. Ein Satz, der den Teilnehmenden vermutlich noch länger im Gedächtnis bleiben wird.
Anschließend stellten Anja Einsiedler und Heiko Feuchter die Regenwasserbewirtschaftung am Campus Lichtwiese der TU Darmstadt vor. Zentrale Elemente sind Versickerungsmulden mit Brunnen, Rückhaltebecken, zusätzlich eine Flutmulde auch für den Hochwasserschutz, Pumpstationen sowie die verbindenden Leitungsnetze. Das System reduziert nicht nur den Trinkwasserverbrauch und spart damit Ressourcen, sondern senkt zugleich die Betriebskosten. Voraussetzung dafür war jedoch eine ausreichende Grünfläche auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt. In Innenstadtbereichen sind andere Maßnahmen zur Regenwassernutzung und für den Hochwasserschutz erforderlich.
Darauf folgte ein Beitrag von Roswitha Kuhn von der Universität Zürich gemeinsam mit Laurin Schwitter und Sylvain Fricker von der QE AG. Sie stellten verschiedene Methoden zur Messung von Nutzung und Auslastung von Räumen vor. Ein Beispiel ist der von der QE AG entwickelte „CO2-Wuerfeli“. Dieser misst die CO2-Konzentration der Raumluft und kann dadurch sowohl Lüftungsempfehlungen gegeben als auch Rückschlüsse auf die Raumnutzung ermöglichen. Dies stellt somit ein geeignetes Instrument für die Analyse der Flächennutzung im Rahmen eines effizienten Flächenmanagements dar. Die Teilnehmenden konnten den CO2-Wuerfeli direkt vor Ort begutachten – und feststellen, dass die Luftqualität im Raum dank regelmäßigen Lüftens durchgehend mindestens im grünen Bereich, wenn nicht sogar im blauen (Außenluftqualität) lag.
Im letzten Veranstaltungsblock stand das Thema Personal im Mittelpunkt. Den Auftakt machten Dr. Joachim Liers und Prof. Dr.-Ing. Carolin Bahr mit einem Bericht aus dem GEFMA-Arbeitskreis Personal- und Ressourcenbemessung, der die Richtlinien 270-1 zum Ressourcenbedarf für den Gebäudebetrieb (auf Basis des PABI-Verfahrens und der AMEV-Empfehlung TGA-Kosten Betreiben) sowie 270-2 mit konkreten Orientierungswerten für den Personalaufwand zur Einführung und zum Betrieb von IT-FM-Systemen (speziell CAFM) erarbeitet hat, um belastbare Kennwerte zur Personalbemessung zu entwickeln. Neben der Vorstellung der beiden Richtlinien gab es auch einen Ausblick auf die aktuell in Bearbeitung befindliche Richtlinie 270-3 zum Ressourcenbedarf für die Dienstleistungssteuerung, die voraussichtlich Mitte nächsten Jahres erscheinen wird. Damit stehen Eigentümer:innen und Betreibenden im Facility Management wichtige Hilfsmittel zur Kapazitätsplanung zur Verfügung.
Anschließend stellte Dr. Björn Möller von HIS-HE Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen HIS-HE-Studie zur Personalsituation und -gewinnung in den fünf Kernverwaltungsbereichen deutscher Hochschulen vor, mit besonderem Fokus auf das Gebäudemanagement. Die Ergebnisse zeigen: Viele Hochschulen haben bereits heute vakante Stellen im Gebäudemanagement – und dieser Anteil dürfte künftig weiter steigen.
Wie können Hochschulen dieser Entwicklung begegnen? Wie lässt sich die Personalsituation in der Hochschulverwaltung verbessern? Viele dieser Fragen bleiben weiterhin offen. Einen möglichen Impuls bot jedoch der abschließende Vortrag von Anja Einsiedler und Heiko Feuchter, die einen Erfahrungsbericht zum Thema „Führungskräftegewinnung 2.0 – Doppelspitze und Führen in Teilzeit“ präsentierten. Seit 2025 teilen sie sich mit Stellenanteilen von 80 % und 100 % die Leitung des Dezernats V – Baumanagement und Technischer Betrieb. Strategische Themen bearbeiten sie gemeinsam, während andere Aufgaben klar aufgeteilt sind. Ihr Bericht machte deutlich, welchen Mehrwert eine Doppelspitze schaffen kann. Ein zentrales Argument, das Anja Einsiedler hervorhob: „Urlaub ist Urlaub“. Zudem ermutigten sie dazu, sich auch proaktiv als Team auf Leitungspositionen zu bewerben, wenn die Voraussetzungen passen – ein Ansatz, der neue Perspektiven für die Gewinnung von Führungskräften eröffnet.
HIS-HE wird die behandelten Themen weiter verfolgen und insbesondere aktuelle Entwicklungen für Sie aufbereiten. Gern möchten wir dabei auch auf Ihre Wünsche und Vorschläge eingehen, um auch im nächsten Frühjahr wieder ein spannendes Forum anzubieten. Wir freuen uns auf ihre Rückmeldungen und auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!
Die Veranstaltungsdokumentation wird Ihnen demnächst hier auf der HIS-HE-Webseite zur Verfügung stehen.
Bildquelle: Eigene Aufnahme HIS-HE

